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Artenvielfalt in Handorfer Pflasterritzen

19. August 2022

Öffentliche “Fridays for Flowers”-Exkursion für die “Flora von Münster” am 12. August 2022

„Das war heute eher ein wenig Pflasterritzen-Botanik“, resümierte Exkursionsleiter Dr. Thomas Hövelmann von der NABU-Naturschutzstation Münsterland den kleinen botanischen Rundgang durch Handorf am Freitag, den 12. August. Denn Wald, Gewässerbereiche oder Wildblumenwiesen lagen an diesem sonnigen Sommertag nicht im Exkursionsgebiet. Trotzdem konnten Hövelmann und Sara Kehmer den Teilnehmenden, die sich auch von 31°C im Schatten nicht abschrecken ließen, im Rahmen der öffentlichen Exkursion zahlreiche Arten vorstellen: darunter viele „alte Bekannte“ wie die Große Brennnessel Urtica dioica und das Einjährige Rispengras Poa annua, aber auch die zumindest früher im Münsterland seltene Kahle Fingerhirse Digitaria ischaemum – einer Gewinnerin des Klimawandels.

Gleich am Anfang wurden drei sehr ähnlich aussehende gelb blühende Asteraceae (Korbblütler) entdeckt. „Die sehen ja alle aus wie Löwenzahn“ reichte den Botanikern natürlich nicht – so konnten die Pflanzen schnell als Mauerlattich Mycelis muralis, Kompass-Lattich Lactuca serriola und Grüner Pippau Crepis capillaris identifiziert werden.

Auf einer Rasenfläche vor der Handorfer Kirche kam anschließend die Strategie von Weißklee Trifolium repens, Spitzwegerich Plantago lanceolata und Co. zur Sprache, die offensichtlich kein Problem mit dem engen Wurzelgeflecht der Rasenpflanzen oder der regelmäßigen Mahd haben: Sie sind im Vergleich zu anderen (vor allem größeren) Pflanzen konkurrenzschwach und „flüchten“ daher in Lebensräume, in denen andere Arten kaum eine Chance haben. Dadurch dass sie – wie auch das Gänseblümchen Bellis perennis – sehr flach wachsen, wird bei häufiger Mahd nämlich höchstens die Blüte beschädigt, während der Rest der Pflanze verschont bleibt.

Selbst überrascht war Dr. Thomas Hövelmann vom Fund eines Teilnehmers, der in einer schattigen Ecke des Rasens das Sumpf-Labkraut Galium palustre entdeckte. Diese eigentlich recht wenig trockenresistente Art kommt normalerweise eher auf Feuchtwiesen oder an nährstoffreichen Gewässern vor.

Zum Schluss wurden auch die Experten noch einmal gefordert: Handelte es sich bei der gefundenen Pflanze um die Moschus-Malve Malva moschata oder ihre „Schwester-Art“, die Rosen-Malve Malva alcea? Gut, dass die Unterscheidungsmerkmale dieser beiden sehr ähnlichen Arten erst im letzten Newsletter der AG Botanik ausführlich behandelt wurden! So ließen die Teilnehmenden, nachdem auch diese Frage geklärt war, die Exkursion in der nahe gelegenen Eisdiele ausklingen – sehr zufrieden mit der etwa 100 Arten umfassenden Artenliste, die in Daten der „Flora von Münster“ eingehen werden, die derzeit von der NABU-AG Botanik in Kooperation mit der Stadt Münster erhoben werden.

Text Linda Weeke, Bilder Ella Susanne Rothe: die beiden Bachelor-Studentinnen der Biowissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität absolvieren derzeit ein Praktikum bei der NABU-Naturschutzstation Münsterland

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