Im Kreis Warendorf wurden in 2025 insgesamt 92 Brutpaare der Rohrweihe festgestellt. Fünf weitere Paare wurden knapp außerhalb des Kreisgebiets nachgewiesen, davon eines in Münster, zwei im Kreis Gütersloh und zwei im Kreis Soest.
Von den 92 erfassten Rohrweihenpaaren brüteten dieses Jahr 44 Paare in landwirtschaftlich genutzten Flächen (Acker bzw. Grünland) und 48 in naturnahen Habitaten (z.B. Röhrichte).
Die Gelege verteilen sich auf verschiedene Acker- und Grünlandkulturen: 20 wurden in Gerste festgestellt, weitere in Raps (12), Triticale (7), Grünland (2), Weizen (2) sowie Ackergras (1). Es wurde bei 25 Gelegen vor der Ernte bzw. vor der Mahd notwendig, Schutzzonen abzustecken, um die Ausmahd und damit einen Verlust der Jungvögel dieser Bodenbrüter zu verhindern. Der jeweilige Ernteausfall wurde durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Warendorf nach den Richtsätzen der Landwirtschaftskammer NRW zuzüglich einer Aufwandspauschale entschädigt. Vier Schutzzonen wurden zusätzlich mit einem Elektro-zaun ausgestattet, um eine mögliche Prädation durch z. B. den Fuchs zu verhindern.
Mindestens 77 Jungvögel aus Rohrweihenbruten auf Acker- und Grünlandflächen wurden flügge. Das entspricht einem Bruterfolg von 1,75 flüggen Jungvögeln pro Brutpaar. Bei 18 Gelegen kam es nachweislich zu Verlusten. Zehn Gelege wurden vermutlich von Raubsäugern zerstört. Ein Gelege in Ackergras wurde ausgemäht, da es uns erst einen Tag vor der Mahd gemeldet wurde und dem Bewirtschafter daher nicht bekannt war. Fünf Gelege wurden aufgegeben. An zwei Standorten lag jeweils ein verendeter Altvogel im Nest; die Todesursache konnte nicht mehr geklärt werden.
Von 40 sicher festgestellten Brutplätzen in naturnahen Habitaten konnte bei 33 Bruten das Brutergebnis festgestellt werden. Hier wurden mindestens 79 Jungvögel flügge. Der Bruterfolg lag mit 2,4 flüggen Jungvögeln etwas höher als auf Acker- und Grünlandflächen.
Die Anzahl der festgestellten Brutpaare entspricht dem bisher geschätzten Brutbestand von 80 – 100 Paaren für den Kreis Warendorf. Damit sich die Individuenzahl dieser geschützten Art nicht verringert, sind insbesondere für die Bruten auf landwirtschaftlichen Nutzflächen Schutzmaßnahmen weiterhin dringend notwendig.
Rohrweihen zählen zu den Zugvögeln. Die bei uns im Kreisgebiet brütenden Paare sowie die Jungtiere ziehen ab August in ihre Überwinterungsgebiete. Dabei reichen die Überwinterungsgebiete der Kurz- bis Langstreckenzieher von Südwesteuropa bis nach Afrika, südlich der Sahara. Schätzungsweise 50 % der Jungvögel überleben das erste Jahr auf den Zugwegen oder im Überwinterungsgebiet nicht.
Erfreulich ist, dass in diesem Jahr auch zwei Paare der Wiesenweihe im Raum Beckum und eines bei Wadersloh festgestellt werden konnten, von denen zwei Paare erfolgreich brüteten (acht flügge Jungvögel). Zwei Schutzzonen für diese Art wurden über FÖNA-Mittel des Landes finanziert.
Alle Landwirte, die über eine Weihenbrut auf ihrem Feld informiert wurden, haben Rücksicht auf die vorhandenen Brutplätze genommen und mit der Nachernte bis zum Ausfliegen der Jungvögel gewartet.
Wir haben im Rahmen des Projektes die Möglichkeit, lebensraumverbessernde Maßnahmen für die Rohrweihe umzusetzen. Dazu gehören u. a. die Wiederherstellung und die Neuanlage von naturnahen Bruthabitaten (z. B. Neuanlage von Blänken mit Röhricht) oder Maßnahmen zur Förderung der Strukturvielfalt und Verbesserung der Nahrungsverfügbarkeit (z.B. Lichtäcker, Brachen) für die Rohrweihe. Von den Maßnahmen profitieren auch viele andere Tier- und Pflanzenarten in der Kulturlandschaft.
Seit April 2025 wird das Artenschutzprojekt „KLARO: Kulturlandschaft für die Rohrweihe (Circus aeruginosus) im Kreis Warendorf“ umgesetzt. Gefördert wird das Projekt im nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Die NRW-Stiftung übernimmt ebenfalls einen Anteil der Kosten.
DANK
Wir bedanken uns auch im Namen unseres Verbundpartners, der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Warendorf, bei den Fördermittelgebern, bei den ehrenamtlich aktiven Ornithologen, Anwohnern und Interessierten für ihre Meldungen und ihre freundliche Unterstützung. Herzlichen Dank ebenso an die Kreisjägerschaft, die Landwirtschaftskammer sowie die Landwirte und Landwirtinnen für die gute Zusammenarbeit.





