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Kiebitze im Münsterland

Ohne wirksame Maßnahmen 2030 wahrscheinlich weitestgehend ausgestorben

Kiebitz mit Küken (Foto: NABU/Thorsten Krüger)

Kiebitz mit Küken (Foto: NABU/Thorsten Krüger)

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Anforderungen an den Schutz des Kiebitzes in Deutschland: Erkenntnisse aus dem Projekt „Sympathieträger Kiebitz“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Ohne wirksame Maßnahmen 2030 wahrscheinlich weitestgehend ausgestorben

Im Frühjahr sind in der freien Landschaft an immer weniger Stellen die auffälligen, namensgebenden „Kjiwitt“-Rufe unserer Kiebitze zu vernehmen. Das Aussehen ist unverwechselbar, aber nicht mehr jedem bekannt: mit ihrem weißen Bauch, dem metallisch lila-grün schillerndem Rücken und dem Federschopf sind die meist in kleinen Kolonien auftretenden Vögel eine auffällige Erscheinung, die sich aus geringer Entfernung bei ihren halsbrecherischen Flugmanövern beobachten lassen.

Eigentlich sind feuchte Wiesen und Weiden die bevorzugten Neststandorte des Kiebitzes. Doch diese Standorte extensiver Nutzung verschwinden zunehmend aus unserer Kulturlandschaft. Intensiv genutztes Grünland oder sogar Ackerflächen, die von brutbereiten Paaren als Ausweichmöglichkeit akzeptiert werden, bieten nur unzureichenden Ersatz: die zu hohe Vegetation nimmt den an offene Flächen angepassten Vögeln die Sicht, während zu frühes und zu häufiges Mähen die Gelege zerstört. Auch fehlt oft die zur Aufzucht der Jungen dringend benötigte nährstoffreiche Insektennahrung, die der Einsatz von Pestiziden aus den landwirtschaftlich genutzten Flächen verschwinden lässt.

Auch auf Ackerflächen kollidiert das Brutgeschäft häufig mit den Arbeitsschritten des Ackerbaus. Die ersten Gelege werden häufig schon vor der Bodenvorbereitung für die Maissaat, bis Mitte März angelegt. Mitte April sorgt die Maissaat dann für große Gelegeverluste.
Daher sind die Bestände vom Kiebitz in Münster zwischen 2003 und 2020 um über 80% eingebrochen. In 2020 brüteten nur noch rund 60 Paare innerhalb des Stadtgebiets. Ohne wirksame Schutzmaßnahmen, die den Großteil der noch bestehenden Population erreichen, muss man vom großflächigen Aussterben der hiesigen Kiebitzpopulation bis zum Jahr 2030 ausgehen.

Die Karte zeigt die Besiedlungsentwicklung in Warendorf zwischen 1972 und 2017 auf Minutenfeldbasis. Weiße Flächen: unbearbeitet. Grüne Flächen: vom Kiebitz besiedelt. Rote Flächen: vom Kiebitz unbesiedelt.

BBV-Projekt “Sympathieträger Kiebitz”

Um eine Kompatibilität landwirtschaftlicher Flächennutzung mit Agrarvögeln, wie dem Kiebitz, zu erreichen, ist die NABU-Naturschutzstation Partner eines Projektes im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Das Projekt „Sympathieträger Kiebitz“ wurde im Zeitraum von 2014 bis 2020 im Münsterland und bundesweit in verschiedenen Regionen durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der WWU Münster richtete die NABU-Naturschutzstation im Jahr 2019 eine Kiebitz-Fachtagung und einen Kiebitz-Workshop am Institut für Landschaftsökologie aus.

Fachtagung Kiebitzschutz 2019 (Foto: Jan Sohler)

Fachtagung Kiebitzschutz 2019 (Foto: Jan Sohler)

Im Projekt wurden Methoden zum Schutz des Kiebitzes in „normalen“ Agrarlandschaften entwickelt und Vorschläge für deren Integration in Förderprogramme erarbeitet.

Die erfolgreich im Projekt erprobte Maßnahme “Kiebitzinsel auf Acker” wurde 2018 in das Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen implementiert. Da auch andere Arten von brachliegenden Teilflächen in der Agrarlandschaft profitieren, trägt die Maßnahme den Namen “Feldvogelinsel auf Acker“. Nun ist es wichtig, dass möglichst viele Landwirtinnen und Landwirte diese Maßnahme auf ihren Flächen umsetzen, damit sie auf Populationsebene wirksam wird.

Zur besseren Koordination der Bestandserfassung und der Nestschutz-Maßnahmen wurde die App NestFinder entwickelt und erprobt (bisher nur für Android).

Beispiele von Situationen auf Ackerflächen und mögliche Lösungen zu Problemen finden Sie unter “Maßnahmen“.

Der NABU bittet um die Meldung von Kiebitz-Beobachtungen unter der Telefonnummer 02501/9719433 oder per E-Mail an kiebitz@nabu-station.de, möglichst mit Angaben zu Anzahl und Ort der beobachteten Tiere.

www.lapwingconservation.org

Die Online-Plattform wurde im Rahmen des Projektes erstellt und richtet sich an sämtliche Akteure, die sich für einen besseren Schutz des Kiebitzes einsetzen möchten. Sie fasst den biologischen Hintergrund zusammen und bietet viele Praxistipps.

Fortpflanzung

Im Märzen der Kiebitz

Balz

Ab Anfang März besetzen die Kiebitzmännchen geeignete Flächen. Die Reviere werden gegenüber anwesenden oder vorüberfliegenden Weibchen mit “Wuchtelflügen” und Rufen im Walzertakt beworben und gegenüber männlichen Konkurrenten verteidigt.

Beeindruckte Weibchen werden anschließend regelmäßig auch zu Fuß umworben. In den Tagen der Paarbildung drückt das Männchen unter Beobachtung der Weibchen an mehreren Stellen mit der Brust Mulden in den Boden. Diese potenziellen Neststandorte werden den Weibchen anschließend stolz präsentiert und im Idealfall mit ihnen inspiziert. Wurde eine Mulde für gut befunden, beginnt die mehr oder weniger kunstvolle Auskleidung mit in der Nähe herumliegenden Pflanzenteilen.

Eiablage / Brut

Nach der Ablage von vier Eiern wird das Gelege etwa vier Wochen bis zum Schlupf der Küken bebrütet. Männchen und Weibchen wechseln sich bei der Brut ab.

Verlustgefahr von Gelegen durch Ackerbewirtschaftung:

Da bei Maisflächen in dieser Zeit die Hauptaktivität der Bodenbearbeitung fällt, werden etwa 75 % der Erstgelege auf Ackerflächen vor dem Schlupf durch den Ackerbau zerstört.

Diese Verluste können durch Markieren der Gelege erheblich reduziert werden. Markierte Nester kann der Bewirtschafter bei der Bearbeitung entweder umfahren, oder um einige Meter auf den bereits bearbeiteten Streifen umsetzen. Der Bruterfolg entsprechend berücksichtigter Kiebitzpaare ist über vier mal so hoch, wie der ohne Berücksichtigung durch die Bewirtschafter.

Neben direkten Bearbeitungsverlusten gibt es weitere Verlustursachen für Eier und Nester.

Weitere Verlustursachen:

In Wintergetreideflächen und intensiver genutztem Grünland werden Nester häufig im Verlauf der Bebrütung von den Altvögeln aufgegeben. Die Sichtverhältnisse ändern sich in diesen Kulturen nach den ersten wärmeren Tagen sehr schnell. Anfang März noch schütter und kurz bewachsene Flächen erreichen schnell einen Dichtschluss der Pflanzen und Aufwuchshöhen von über einem halben Meter. Brütende Kiebitze werden regelrecht überwachsen und geben Nester an solchen Standorten überwiegend auf.

Prädation

Kiebitzeier und -küken werden bei Verfügbarkeit und Zugriffschance gerne auch von fleischfressenden Nahrungsopportunisten gefressen. Während sich Kiebitzkolonien gegenüber Rabenvögeln gut zu behaupten wissen, lassen sich vor allem nachtaktive Raubsäuger von den Altvögeln nicht beeindrucken. Auf Nester spezialisierte Individuen können die Gelege einer kleineren Kolonie innerhalb einer Nacht vollständig leer fressen.

Die Bedeutung von Prädation unterscheidet sich aber gebietsweise sehr stark. Pauschale Aussagen zur Bedeutung bestimmter Arten von Räubern und ihren Einfluss auf die Bestände der Kiebitze sind daher wenig zielführend.

Bruterfolg

Die Bruterfolge waren in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich. Oftmals lagen sie deutlich unterhalb des Mindestwertes, der für einen Bestandserhalt notwendig ist (mind. 0,8 flügge Küken pro Brutpaar). Daher nimmt die Zahl der Kiebitzpaare stetig ab.

In 2021 wurden in Münster auf Flächen mit Feldvogelinseln und anderen Schutzmaßnahmen (Schonzeit kombiniert Dauerbrache) sehr gute Bruterfolge erzielt (1,3 Flügge Küken pro Brutpaar). Neben den Maßnahmen zeigten auch passende Witterungsverhältnisse mit ausreichender Feuchtigkeit auf den Flächen eine positive Wirkung. Lange Trocken- und Dürrephase (z.B. 2019 und 2020) wirken sich negativ auf die Nahrungsverfügbarkeit aus, da die Böden nicht mehr stocherfähig sind.

Küken

Ab dem Schlupf brauchen die Küken etwa 35 Tage, bis sie flugfähig und flügge sind. Vor allem der Schlupf und die ersten anschließenden Tage sind für die Küken kritisch. Frisch aus dem Ei gepellt, sind Kiebitzküken thermoregulatorisch noch nicht in der Lage auf schlechte äußere Bedingungen angemessen zu reagieren. Fällt der Schlupf in eine Schlechtwetterphase mit niedrigen Temperaturen, begleitet von Niederschlägen und Wind, können schon wenige äußere Störungen zu Verlusten führen. Bis die Küken ein ausreichend dichtes Dunenkleid entwickelt haben, werden sie von den Altvögeln regelmäßig gehudert. Sie schlüpfen regelrecht ins Bauchgefieder der Altvögel und werden dort aufgewärmt, aber auch vor Regen geschützt. Fehlt den Altvögeln die Zeit zum Hudern, weil sie abgelenkt sind, kühlen die Küken schnell aus. Feuchte, windige Witterung erhöht in solchen Fällen die Verlustrate.

Wie ernähren sich die Küken?

In den Phasen zwischen dem Hudern sind die Küken, begleitet von den Altvögeln, selbständig auf der Suche nach Insektennahrung. Diese Suche wird mit der zunehmenden Intensivierung und Optimierung der Landwirtschaft ein immer größeres Problem. Durch die Nutzungsintensivierung in Verbindung mit der kontinuierlichen Reduzierung landwirtschaftlich nichtproduktiver Begleitarten durch Pfanzenschutzmittelgaben werden viele Bestände ausgedünnt.

Entweder direkt und gewollt, weil bestimmte Tier- und Pflanzenarten in Konkurrenz zu den produzierten Früchten stehen, oder diese schädigen, oder indirekt. Indirekt, weil beispielsweise beim Einsatz eines Totalherbizides nicht nur die Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe der angebauten Feldfrucht beseitigt wird, sondern weil damit auch alle produktionswirtschaftlich eigentlich unkritischen Pflanzen eliminiert werden und mit ihren Nahrungs- und Reproduktionsstätten an sich landwirtschaftlich völlig harmloser Arten verloren gehen.

Überlebensstrategien der Küken

Etwa in der ersten Woche ihrer Entwicklung rennen die Küken vor Gefahr überwiegend nicht davon. Sie ducken sich und vertrauen voll und ganz auf ihre Tarnung. Diese ist wirklich sehr gut, so dass in der Regel schon ein kurzer Moment der Bedrängung und Ablenkung der Beutegreifer durch die hassenden Altvögel reicht, um die Küken aus den Augen zu verlieren.

Gegenüber flächiger Bodenbearbeitung ist diese Strategie jedoch wenig zielführend. Wurde z. B. eine bearbeitungsfreie Zeit auf der Ackerfläche zum Schutz von Kiebitznestern vereinbart, muss man den Küken nach dem Schlupf auch noch die Zeit bis zur ausreichenden Mobilität zugestehen. Sonst waren die Verwaltungsmühen zum Abschluss der Vereinbarung mit den verbundenen Bewirtschaftungseinschränkungen für den Bewirtschafter, ebenso wie die gezahlte finanzielle Entschädigung für die in Kauf genommenen Einschränkungen auf der Fläche, umsonst.

Erst im Alter von etwa einer Woche werden die Küken allmählich vorwitziger und ducken sich nicht direkt. Sie versuchen vor Bedrohungen davon zu laufen und ducken sich häufig erst in dichter bewachsenen Bereichen. Trotzdem kann es passieren, dass sich sogar bereits flugfähige Küken bei Gefahr noch wegducken.

Eine flächige Ackerbearbeitung kann daher während der gesamten Anwesenheitsphase von Kiebitzküken Verluste verursachen!

Maßnahmen

Der Rückgang der Kiebitze kann gestoppt werden

Störungsfreie Brut und gute Insektenverfügbarkeit gewährleisten den Bruterfolg

Damit Kiebitze einen ausreichenden Bruterfolg von etwa einem flüggen Küken pro Paar haben, sind auf Ackerflächen vor allem zwei Faktoren entscheidend:

  • Aus den Eiern geschlüpfte Kiebitzküken werden in etwa 35 Tagen zu flüggen Kiebitzen. In dieser Zeit suchen die Küken selbstständig nach proteinreicher Insektennahrung und nehmen über 150 Gramm zu. Bestände von Insekten und weiteren Wirbellosen gehen in unserer Landschaft drastisch zurück. Je weiter die Dichte an verfügbaren Nahrungsorganismen durch Monotonie und Pestizide abnimmt, desto längere Strecken müssen die Küken auf den Brutflächen zurücklegen, um trotzdem satt zu werden. Strukturreichere und für wirbellose Nahrungstierchen interessante Flächen sorgen mit einer hohen Nahrungsverfügbarkeit für satte und fitte Kiebitzküken. “Kiebitzinseln” können den Küken bei ausreichender Grundqualität der Fläche die benötigte Nahrung bieten und ihre Überlebenswahrscheinlichkeit steigern. Nebenbei werden die Inseln aufgrund ihrer Qualitäten auch von weiteren Vogelarten (z. B. Feldlerche, Fasan, Rebhuhn, Großer Brachvogel) für die Anlage von Nestern und die Nahrungssuche genutzt.
  • Flächige Bodenbearbeitung endet für unmarkierte Kiebitznester tödlich. Ab Mitte März muss man bei Anwesenheit von Kiebitzen auf einem Acker mit Nestern rechnen. Der Nestschutz ist eine einfache Möglichkeit die Kiebitzeier vor Bearbeitungsverlusten zu bewahren und zum Schlupf kommen zu lassen.

Feldvogelinsel im Acker (einjährig)

Mit dieser Maßnahme wird die Anlage von 0,5 – 1,0 ha großen Feldvogelinseln (in Ausnahmen bis zu 2 ha) innerhalb von Schlägen mit Sommerkulturen gefördert. Auf diesen Teilschlägen gilt eine Bewirtschaftungsruhe vom 1. April bzw. dem Datum des Vertragsabschlusses bis zur Ernte der angrenzenden Hauptfrucht (spätestens 1. Oktober) sowie der Verzicht auf Düngung, Pflanzenschutzmittel und Befahrung. Voraussetzung ist das Vorkommen von mindestens 3 Feldvogelpaaren, wie z.B. Kiebitz, Feldlerche oder Goldammer. Die Flächenprämie bleibt erhalten. Codierung: 591 (Acker aus der Erzeugung genommen)

Auf diesen selbstbegrünten Inseln stellt sich unter guten Bedingungen eine niedrige, lückige Vegetation ein sowie eine schmackhafte Insektenfauna für die Küken. Besonders nasse Stellen auf Ackerflächen eignen sich für diese Maßnahme.

Ausgleichsbetrag pro Hektar: bis zu 1.257 € (bei Hauptfrucht Silomais; Stand 2022)

Weitere Informationen zu der Maßnahme gibt es bei der Bezirksregierung Münster.

Vertragsnaturschutz-Paket 5041: Anlage von Ackerbrachen durch Selbstbegrünung

Die Variante der Kurzzeitbrache bietet die Möglichkeit, offene bis schwach/lückig bewachsene Flächen für Kiebitze und andere Arten zu schaffen. Eine Bodenbearbeitung kann im Herbst oder im Frühjahr erfolgen. Der beste Zeitpunkt hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte im Einzelfall besprochen werden.

Ausgleichsbetrag pro Hektar pro Jahr: 1.600 € (Stand 04/2022)

Beratung und Vertragsabschluss

Kreis Warendorf, Untere Naturschutzbehörde
Ann-Kathrin Will
Tel. 02581/53-6134
Ann-Kathrin.Will@kreis-warendorf.de

Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit
Dirk Dreier
Tel. 02 51/4 92-67 27
DreierD@stadt-muenster.de

Reiner Uennigmann
Tel. 02 51/4 92-67 29
Uennigmann@stadt-muenster.de

Nestschutz

Um den Schlupferfolg deutlich zu erhöhen, ist die Markierung von Nestern sinnvoll.

Vor der beginnenden landwirtschaftlichen Feldbearbeitung werden vorhandene Nester gesucht und unauffällig, aber für die Maschinenführer sichtbar markiert, z.B. mit zwei Stöckern fünf Meter vor und hinter dem Nest. Bei den flächigen Bearbeitungsgängen ist es anschließend mit den Markierungen sehr einfach, auf die Nester Rücksicht zu nehmen.

Um den Bruterfolg ausreichend zu erhöhen, sind darüber hinaus Maßnahmen nötig, die den Lebensraum des Kiebitzes und der Wirbellosenfauna als Nahrung insgesamt verbessern, wie z.B. die Anlage selbstbegrünter Brachen und der Verzicht auf Pestizide.

Die folgenden Bilder veranschaulichen verschiedene Situationen, Probleme und mögliche Lösungen.

Markierung von Kiebitznestern

Die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung verursacht große Verluste bei Kiebitzgelegen

Abhilfe schafft die Markierung der Nester mit Stöcken, die von den Maschinenführern gesehen werden können. Durch Umfahren des Nestes mitsamt der Markierungen gehen nur wenige Quadratmeter der Produktionsfläche verloren und die Gelege werden verschont.

Zur Markierung müssen die Nester aber erstmal gefunden werden.

Um den Aufwand hierfür zu minimieren, haben wir im Rahmen des Projektes im Bundesprogramm Biologische Vielfalt eine einfache Methode entwickelt.

Ausgestattet mit einem Laserentfernungsmesser und einer Smartphonekamera können beliebig viele Nester in einem Arbeitsgang auf einer Fläche gefunden werden.

NestFinder App

Die NABU-Naturschutzstation Münsterland versucht über den Einsatz von Haupt- und Ehrenamtlichen den Kiebitz, eine stark bedrohte bodenbrütende Vogelart, zu schützen. Die eigens entwickelte App “NestFinder” ist gutes Hilfsmittel für die Zusammenarbeit und den Gelegeschutz.

Es bestehen Kooperationen mit Einzelpersonen und Partnern (u.a. Untere Naturschutzbehörde des Kreises Warendorf, Westfälisch Lippischer Landwirtschaftsverband, Landwirtschaftskammer NRW und Kreisjägerschaft Warendorf).

Durch die Koordinierung über die App ist es möglich, ehrenamtliche Aktivitäten sehr gut zu steuern und zu vernetzen. Für Interessierte, u.a. Jäger*innen und Landwirt*innen, werden sogenannte “Nestfinder-Schulungen” angeboten, die Tipps zu Nestsuche und App-Nutzung vermitteln. Im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt wurde die App und eine einfache Methode zum Auffinden der Nester entwickelt. Sind die Nester gefunden, kann man sie mit Stöckchen markieren, damit sie bei der Beackerung besser umfahren werden können. Ziel der Aktivitäten ist es, den Bruterfolg der Kiebitze in der Agrarlandschaft anzuheben, um den Rückgang zu stoppen und die Bestände zu stabilisieren. Das wird nur gelingen, wenn viele Personen mit einfachen Mitteln dazu beitragen können. Die Idee hat das Potenzial, unabhängig vom Kreis oder Bundesland, eine der Ursachen für die Bestandsrückgänge zu minimieren. Die digitalen Mittel (App und Server) sind beliebig skalierbar.

Die App NestFinder wird mittlerweile in 29 Regionen aus sieben verschiedenen Bundesländern angewendet.

– NestFinder: Anleitung zur Nutzung der App (für Android-Smartphones)

– NestFinder: Anleitung zur Nutzung im Webbrowser (Koordination)

– NestFinder: Anleitung Synchronzählung

Publikationen

Publikationen aus dem Projekt “Sympathieträger Kiebitz” im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt:

1.) Cimiotti, D.V., Böhner, H., Buschmann, C., Förster, A., Hunke, P., Lilje, K., Linnemann, B., Reiter, K., Röder, N., Tecker, A. & Tölle-Nolting, C. (2021): Anforderungen an den Schutz des Kiebitzes in Deutschland: Erkenntnisse aus dem Projekt “Sympathieträger Kiebitz” im Bundesprogramm Biologische Vielfalt. 10 p

PDF Dokument (887 KB)

2.) Cimiotti, D.V., Förster, A., Lilje, K., Sohler, J., Röder, N. & H. Hötker (2019): Schutz mithilfe von Forschung, Kommunikation und Vernetzung – Das Projekt “Sympathieträger Kiebitz”. Der Falke 66: 14-19.

Weitere Publikationen:

Pelster, A. & K. Mantel (2021): Der Kiebitz Vanellus vanellus im Kreis Warendorf – Bestand und Entwicklung zwischen 1972 und 2012. Chradrius 50, Heft 1, 2014: 43-49

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