Im Rahmen des Projekts KLARO – Kulturlandschaft für die Rohrweihe sind seit diesem Sommer erstmals drei Rohrweihen aus dem Kreis Warendorf mit GPS-Sendern unterwegs. Die Sender ermöglichen spannende Einblicke in die Raumnutzung der Vögel während der Brutzeit, ihre Nahrungssuche und ihre anschließende Reise in die Überwinterungsgebiete.
Schon die ersten Daten zeigen, wie unterschiedlich die drei Männchen ihre Brutreviere nutzen und welche Strecken sie dabei zurücklegen. Gleichzeitig liefern sie wertvolle Informationen für die weitere Projektarbeit und den Schutz der Rohrweihe. Ein erster Blick auf die Flugrouten von Heinz-Josef, Stefan und Hermann zeigt, was wir bereits über die drei erfahren konnten und welche Fragen uns in den kommenden Jahren noch beschäftigen werden.
News der ersten GPS-Rohrweihen
Ende Juni und Anfang Juli 2026 konnten die ersten drei adulten Rohrweihen mit einem jeweils 18 g leichten GPS-Sender ausgestattet werden.

Rohrweihen aus dem Kreis Warendorf auf dem Weg in die Überwinterungsgebiete (Grafik: Aline Förster)
Das Männchen Heinz-Josef zeigte uns, dass ein Revier während der Brutzeit eine erhebliche Größe haben kann. Täglich flog der Vogel von Gronhorst in Warendorf rund 8 km nach Norden bis über die Ems hinaus. Nach der Getreideernte blieb er dann konstant in der Nähe seines im Schilf gebauten Nestes. Offenbar fand er auf den frisch gedroschenen Feldern nun reichlich Mäuse, um seine Jungen zu versorgen. Zwei Jungvögel waren etwa ab dem 15. Juli flügge.

Flugdaten von Heinz-Josef über 20 Tage im Juli 2026 (Grafik: Aline Förster)
Die Rohrweihe Stefan aus dem Raum Ennigerloh ist mit einem Alter von drei Jahren das jüngste der drei Männchen. Das Paar hat erfolgreich im Raps gebrütet und mindestens zwei Jungvögel großgezogen. Raps ist unter den landwirtschaftlich genutzten Flächen eine günstige Wahl als Brutplatz, da es aufgrund der späten Ernte nur sehr selten zu Gefahren durch Bewirtschaftungsvorgänge für die Brut kommt. Anfang September überflog Stefan die Pyrenäen.
Auch Hermann wählte mit seinem Weibchen ein Rapsfeld zur Brut aus. Zur Nahrungssuche flog er in einem Umkreis von max. 3,5 km rund um den Brutplatz in der Feldflur von Sendenhorst. Mit einer Flügelspannweite von 122 cm machte sich Hermann bereits am 11. August als Erster auf die Reise in sein Überwinterungsgebiet. Bei der letzten Datenübermittlung am 31. August hielt er sich in Marokko auf. Nun befindet er sich auf dem Flug über die Sahara, so dass wir etwas Geduld haben müssen, bis wieder Daten übertragen werden.

Unterschiedliche Reviergrößen während der Brutzeit (orange: Heinz-Josef, lila westlich: Hermann, lila östlich: Stefan) (Grafik: Aline Förster)
Wir hoffen, dass die drei eine gute Zeit in ihrem Überwinterungsgebiet verbringen und im kommenden Frühling wohlbehalten zurückkehren. Wir sind gespannt, ob sie ihren Revieren treu bleiben und stellen uns bereits einige Fragen zu diesen Individuen. Wird sich Heinz-Josef an dem neuen Windrad stören, das unweit seines Brutplatzes im Herbst 2026 errichtet wird, oder ist ihm das völlig egal? Sind Stefan und Hermann auf Ackerfläche konditioniert und brüten wieder im Raps, oder suchen sie sich ein passendes Feuchtbiotop?
Die Vögel tragen übrigens die Namen der Flächenbewirtschafter oder Eigentümer der Brutplätze, die bei der Besenderung zum Teil direkt vor Ort dabei waren. In den kommenden Jahren sollen weitere Tiere hinzukommen. Vielleicht wird auch mal ein Weibchen dabei sein. Der Fokus liegt aber bei den adulten Männchen, da sie vor allem die Versorgung des Weibchens in der Brutzeit sowie der Jungvögel in der Nestlingszeit übernehmen und uns damit bei unseren Fragestellungen besonders gut weiterhelfen können.
Warum werden Rohrweihen besendert?
Die Rohrweihe ist in Nordrhein-Westfalen zunehmend auf strukturreiche Agrarlandschaften und Feuchtgebiete als Brut- und Nahrungshabitate angewiesen – Lebensräume, die durch intensive Landwirtschaft und den Ausbau von Infrastruktur wie z.B. der Windenergie unter Druck stehen. Acker- und Grünlandbruten sind zusätzlich gefährdet, da die Bewirtschaftung während der Brutzeit zu Brutverlusten führen kann. Mit den GPS-Sendern soll genauer untersucht werden, wie Rohrweihen ihre Lebensräume nutzen und welche Flächen für sie besonders wichtig sind.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wo die Vögel während der Brutzeit auf Nahrungssuche gehen und welche Flächennutzungstypen sie dabei bevorzugen. Es soll untersucht werden, ob zum Beispiel bestehende ökologisch bewirtschaftete Flächen oder Naturschutz-Maßnahmen, die im Rahmen des Projektes angelegt werden, von den Rohrweihen besonders häufig genutzt werden und welchen Einfluss das auf den Bruterfolg hat. Die Sendervögel helfen damit gleichzeitig bei der Evaluation von Maßnahmen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Verhalten im Umfeld von Windenergieanlagen: Meiden Rohrweihen die Anlagen, verändern sie ihr Flugverhalten bzw. die Reviernutzung oder passen sie sich gut an? Auch die Frage, ob Rohrweihen, die heute in Ackerflächen brüten, geeignete Feuchtgebiete als Brutplätze annehmen würden, ist für die Entwicklung langfristig wirksamer Schutzmaßnahmen von Bedeutung.
Die GPS-Sender liefern darüber hinaus wertvolle Informationen über das Zugverhalten und die Überwinterungsgebiete der Rohrweihen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen, weiterzuentwickeln und ihre Wirksamkeit zu überprüfen.
Das Artenschutzprojekt „KLARO: Kulturlandschaft für die Rohrweihe (Circus aeruginosus) im Kreis Warendorf“ wird von April 2025 bis Februar 2030 umgesetzt. Gefördert wird das Projekt im nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Die NRW-Stiftung übernimmt ebenfalls einen Anteil der Kosten.





