Am 10. September 2026 hat die NABU-Naturschutzorganisation Münsterland Familie Rehbein für ihr besonders schwalbenfreundliches Wohnhaus ausgezeichnet. Rehbeins sind erst in diesem Jahr in das Haus eingezogen und haben schnell bemerkt, dass sie ein paar besondere Untermieter haben. Mit den geselligen Mehlschwalben haben sie schnell Freundschaft geschlossen und bemerkt, dass es insgesamt sogar 16 Pärchen sind. Durch eine Zählung der FÖJler der NABU-Station konnte die Beobachtung ebenfalls bestätigt werden. Im Siedlungsraum von Amelsbüren wurden 2026 rund 100 besetzte Nester und zahlreiche fliegende Individuen feststellt.
Die Auszeichnung wurde im Rahmen der bundesweiten NABU-Aktion „Schwalbenfreundlichen Haus“ verliehen, für die sich in 2026 bisher 1.320 Haushalte beworben hatten (Stand 03.09.2026). Mit der Schwalben-Plakette bedanken wir uns ganz herzlich, und möchten zeigen, dass diese besonders schönen, nützlichen und schützenswerten Vögel bei uns nur weiterhin vorkommen können, wenn wir Menschen Ihnen einen Platz zugestehen. Aline Förster (wiss. Mitarbeiterin, NABU-Naturschutzstation Münsterland) übernahm diese Aufgabe am Donnerstagabend persönlich und konnte auch noch zwei Nisthilfen für Wildbienen und Höhlenbrüter für ihren Garten überreichen, die von der Bezirksvertretung Hiltrup zur Verfügung gestellt worden sind.
NRW-weit sind Mehlschwalben gefährdet und die Bestände zeigen einen Rückgang von 50% oder mehr (Rote Liste der Brutvogelarten Nordrhein-Westfalen 2021). Grade deswegen sind diese bemerkenswerten Zugvögel umso mehr darauf angewiesen, dass ihre Brutplätze durch Akzeptanz und Unterstützung der Menschen bewahrt werden. Geeignete Maßnahmen wären da zum Beispiel das Anlegen kleiner Lehmpfützen, die Baumaterial für die Nester bieten, oder das Anbringen geeigneter Schwalben-Nisthilfen. Die Kunstnester werden vor allem gern in bestehende Kolonien angenommen oder im Rahmen einer notwendigen Ausgleichmaßnahme bei einer Gebäudesanierung. Ansonsten bevorzugen es die Mehlschwalben ihre Nester, die aus bis zu 1000 Lehmklümpchen bestehen, selbst zu bauen. Der gemeinsame Nestbau ist Teil der Paarbildung und der sozialen Bindung. Da im Umfeld mancher Brutstätten kaum noch Nistmaterial zu finden ist, werden die Nisthilfen z.B. nach einer Dachsanierung bei richtiger Anbringung als Ersatz gut angenommen. Das konnte dies Jahr in Münster an mehreren hohen Gebäuden an der Warendorfer- und der Hammerstraße beobachtet werden. Wichtig ist immer ein freier Anflug. Auch zum Dank vieler engagierter Familien wie unter anderem Familie Rehbein, trotzt Münster aktuell zum Glück noch dem allgemeinen Trend und Bestandserfassungen in den Jahren 2015, 2020und 2025 zeigen bei der Mehlschwalbe einen stabilen bis positiven Verlauf der Bestandsentwicklung. Der Bestand wird auf 750 – 850 Brutpaare geschätzt. Bei der Rauchschwalbe, die z.B. in Ställen brütet, zeichnete sich hingegen wie auch landesweit ein Rückgang ab.
Nun beginnt die Zugzeit und es ist Zeit Abschied zu nehmen von den neu gewonnen gefiederten Freunden. Familie Rehbein freut sich schon, sie im nächsten Frühling wieder begrüßen zu dürfen.
Die NABU-Naturschutzstation bietet im Rahmen des Projektes Artenschutz am Gebäude am 6. November 2026 das Seminar „Gebäudebrüter im Fokus – Artenschutz am Bau praxisnah umsetzen“ an, dass sich vor allem an Hauseigentümer*innen, Architekt*innen, Handwerker*innen, Planer*innen sowie Studierende entsprechender Fachbereiche richtet. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme mit dem Ziel gemeinsam Artenvielfalt im urbanen Raum zu erhalten.
Text: Janine Breitbarth






