Kohlmeise neuer Spitzenreiter | Rückgang beim Spatz
Auch in diesem Jahr hatten sich viele Naturfreund*innen an der NABU-Aktion ,,Stunde der Wintervögel“ vom 9. bis 11. Januar 2026 beteiligt. Die Aufgabe war es, eine Stunde lang Vögel im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und die Ergebnisse zu melden.
Münster
In Münster wurden in 370 Gärten 9429 Vögel gezählt. Die Mitmachquote stieg bei der Stunde der Wintervögel deutlich im Vergleich zum Vorjahr. Die Anzahl der Gärten, in denen gezählt wurde, nahm um 122 Standorte und die Anzahl der gezählten Vögel um 2608 Individuen zu.
Die Kohlmeise und die Blaumeise belegen seit diesem Jahr den 1. und 2. Platz in der Vogelzählung. Im Schnitt wurden pro Garten drei Meisen gezählt. Dadurch rutschte der Haussperling, welcher die letzten sechs Jahre auf Platz 1 war, ab auf Platz 3. Der eng verwandte Feldsperling, der auch jahrelang in der Top 10 vertreten war, schaffte es nur noch auf Rang 13.
Das entspricht dem bundesweiten Abwärtstrend bei den Beständen vom Spatz, also beider Sperlingsarten. In ganz Deutschland wurden jetzt 15 Prozent weniger Haussperlinge und zehn Prozent weniger Feldsperlinge gesichtet als im Vorjahr. Mögliche Gründe für den Rückgang sind: fehlende Nistplätze für den Gebäudebrüter durch Sanierungen an Gebäuden und Bauvorhaben, weniger städtisches Grün und der Rückgang von Insekten als Nahrungsquelle.
Besonders häufig wurden in Münster ansonsten die Vogelarten Meisen, Rotkehlchen und Amseln gesichtet, und verzeichneten im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme. Auch Ringeltaube, Elster, Dohle, Buchfink und Straßentaube schafften es in die Top 10 der gesichteten Wintervögel.
Die Sichtungen des Bergfinken stachen diesmal hervor, mit einem Anstieg um beachtliche 631 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (entspricht 43 Individuen). Bergfinken sind bei uns typische Wintergäste und brüten in den Wäldern Skandinaviens und Nordosteuropas.
Kreis Warendorf
Im Kreis Warendorf folgten ebenfalls zahlreiche Vogelfreund*innen dem Aufruf und meldeten folgende Ergebnisse: in 287 Gärten wurden 9082 Vögel gezählt.
Platz eins belegte 2026, wie in Münster, die Kohlmeise. Ihre Sichtungen stiegen um 36 Prozent, und pro Garten wurden etwa fünf Meisen gezählt.
Beim Spatz war, entsprechend dem bundesweiten Trend, leider ein Rückgang zu verzeichnen: Der Haussperling verlor im Vergleich zum Vorjahr seinen Spitzenplatz der meistbeobachteten Arten. Seine Sichtungen gingen um 11 Prozent zurück, wobei durchschnittlich vier Individuen pro Garten gemeldet wurden.
Die Sichtungen von Blaumeisen, Amseln und Rotkehlchen nahmen leicht zu. Die Bestände von Dohlen und Ringeltauben gingen im Vergleich zum Vorjahr jedoch um ein Drittel zurück. Auch Elster, Buchfink und auch der Feldsperling schafften es im Kreis Warendorf in die Top 10 der meistgesichteten Wintervögel.
Besonders auffällig war die hohe Zahl an gemeldeten Kranichen. An drei Standorten wurden im Kreis Warendorf insgesamt 185 Kraniche gesichtet – ein Anstieg von 243 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dies lässt sich durch das Zugverhalten der Kraniche erklären. Denn Sturmtief Elli sorgte für klirrende Kälte, welche die Tiere in die sogenannte Winterflucht trieb. Deutschlandweit wurden fast 50.000 Dörfer und Städte überfliegende Kraniche gemeldet, darunter 11.000 aus NRW.
Wie steht es um die Vogelwelt in ganz Deutschland?
Betrachtet man die Entwicklung des Vogelvorkommens als Ganzes, belegt die „Stunde der Wintervögel“ insgesamt eine beunruhigende Abnahme der Bestände. Mit bundesweit durchschnittlich 32 gesichteten Vögeln pro Garten wurde dieses Jahr ein Tiefstand erreicht. Im Vergleich: Bei der ersten Zählung im Jahr 2011 lag der Schnitt noch bei 45,8 Vögeln.
Die rege Beteiligung an der „Stunde der Wintervögel“ zeigt dennoch das große Interesse der Menschen an der Artenvielfalt der Vögel – dieses Bewusstsein lässt auf Engagement beim Vogelschutz hoffen.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden an der Aktion! Die „Stunde der Gartenvögel“ lädt vom 08. Bis 10. Mai 2026 wieder zum Mitmachen ein und wird Erkenntnisse liefern, wie sich die Vogelbestände entwickeln.





