Mit dem Rebhuhn steht 2026 ein Vogel im Rampenlicht, der wie kaum ein anderer für den Zustand unserer Agrarlandschaft steht. Der unscheinbare Hühnervogel ist ein typischer Bewohner von Äckern, Wiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen und steht sinnbildlich für viele Feldvogelarten, deren Lebensraum zunehmend unter Druck gerät.
Das Rebhuhn gehört zur Familie der Hühnervögel und wird den Fasanenartigen zugeordnet. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus pflanzlichem Material wie Grasspitzen, Wildkräutersamen und Getreidekörnern. Kleine Steinchen helfen ihnen, die faserreiche Kost im Muskelmagen zu zerkleinern. Für die Küken ist jedoch tierische Nahrung besonders wichtig. In den ersten Lebenswochen fressen sie vor allem Insekten, Spinnen und andere Kleintiere – eine proteinreiche Kost, die entscheidend für ein gesundes Wachstum ist.
In gut versteckten Bodennestern legt das Weibchen bis zu 20 Eier. Nach dem Schlüpfen (oft am selben Tag) kümmern sich beide Eltern um die Jungvögel. Die Küken sind Nestflüchter und folgen ihren Eltern schon kurz nach dem Schlupf. Auch wenn sie nach etwa fünf Wochen selbstständig sind, bleibt die Familie als sogenannte „Rebhuhnkette“ bis in den Winter zusammen.
Ein Vogel unter Druck – auch bei uns im Münsterland
Ursprünglich lebte das Rebhuhn in den Steppen Europas und Asiens. Mit der Entstehung von Kulturlandschaften im Mittelalter fand es neue Lebensräume in Äckern und Wiesen. Heute ist es ein Symbol für viele Feldvogelarten, die durch die moderne, intensivierte Landwirtschaft zunehmend unter Druck geraten.
Große Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden sowie der Verlust von Brachen, Blühstreifen und Altgrasflächen haben zu einem dramatischen Bestandsrückgang geführt. Europaweit sind die Bestände des Rebhuhns seit 1980 um rund 92 Prozent zurückgegangen. Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird das Rebhuhn inzwischen als „stark gefährdet“ geführt.
Auch regional zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Nach ersten Ergebnissen der Erfassungen im Atlas deutscher Brutvogelarten (ADEBAR2) wurden im Raum Münster nur noch im Norden und Osten wenige Rebhuhnvorkommen nachgewiesen. Im Süden und Westen Münsters wurden 2025 keine Rebhühner festgestellt, was ein alarmierender Rückgang im Vergleich zu früheren Jahren ist.
Rebhuhn retten – Vielfalt fördern
Um dem Rebhuhn unter die Flügel zu greifen, wurde das bundesweite Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ ins Leben gerufen. Beteiligt sind unter anderem der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) sowie zahlreiche weitere Projektpartner. Im Rahmen des Bundesprogramms für Biologische Vielfalt werden von Juni 2023 bis Mai 2029 in ausgewählten Regionen großflächige Schutzmaßnahmen umgesetzt. Ziel ist es, den Rebhuhnbestand langfristig zu stabilisieren und zu erhöhen. Der Erfolg wird durch ein begleitendes Monitoring überprüft.
Weitere Informationen finden Sie unter:
https://www.rebhuhn-retten.de
Mitmachen beim Monitoring – Rebhühner erfassen
Ein wichtiger Baustein für den Schutz ist die Erfassung der Bestände. Im Frühjahr – vom 11. Februar bis zum 20. März – findet ein akustisches Monitoring statt. Dabei wird mithilfe einer Klangattrappe der Ruf eines Rebhahns abgespielt, um anwesende Rebhühner zu erfassen. Im Spätsommer und Herbst werden zusätzlich Familien, die als „Rebhuhnketten“ unterwegs sind, gezählt. Aus der Größe dieser Ketten lässt sich der Bruterfolg ableiten.
An diesem Monitoring kann man sich aktiv beteiligen: Der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) bietet über seine Mitmachbörse die Möglichkeit, geeignete Flächen auszuwählen und selbst Daten zu sammeln. Aktuell sind noch freie Flächen in den Kreisen Warendorf und Coesfeld verfügbar.
Veranstaltung der NABU-Naturschutzstation Münsterland
Wer mehr über das Rebhuhn und über Möglichkeiten zur Teilnahme an Vogelerfassungen erfahren möchte, ist herzlich zur Veranstaltung des NABU Oelde und der NABU-Naturschutzstation Münsterland am 26.02.2026 eingeladen.
Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.nabu-muensterland.de/veranstaltung/30007/





